Interview mit dem Fraktionsvorsitzenden

Ein sonniger Sonnabendmorgen im März 2018. Albrecht Dudy, Fraktionsvorsitzender der SPD Süsel hat zugestimmt, unserer Zeitung der Roten Grütt heute ein Interview zu geben. Dudys Wohnort Bujendorf wirkt, wie viele Dörfer in der Gemeinde Süsel, nett, ruhig und beschaulich. Am Straßenrand macht sich das erste Grün des Frühjahrs breit. Neun Uhr, wir fahren die schlechte Einfahrt herunter und halten vor dem Haus aus rotem Backstein. Die Haustür schwingt auf. Das ist er. Ein Mittfünfziger kommt auf uns zu und begrüßt uns: »Morgen« »Morgen.« »Kommen Sie rein. Wir setzen uns in die Küche.« Dudy sitzt etwas zurückgelehnt auf seinem Stuhl. Er trägt eine helle Hosen und einen roten Pullover. Es beginnt ein Gespräch über die Gemeindepolitik in Süsel. Eine Stunde lang. Am Ende sitzt das Klischee „Politiker“ nicht mehr mit am Tisch.

Die Rote Grütt: Herr Dudy, sind Sie sicher, dass Sie in der richtigen Partei sind?

Herr Dudy: Na, das geht aber flott los. Es ist nicht immer leicht mit der SPD – aber ja, dass bin ich.

Die Rote Grütt: Aber es steht nicht gut um die SPD!

Herr Dudy: Ich bin als HSV-Fan ja viel Kummer gewohnt – Die SPD hat aber leider auf Bundesebene viel mehr als nur eine Wahl verloren. Sie hat kapitale Fehler gemacht und ihre Mitglieder und ihre Wähler schwer enttäuscht.

Die Rote Grütt: Wurden Sie auch enttäuscht?

Herr Dudy: Ja, ich auch. Ich habe aber die Hoffnung, dass sich jetzt etwas in der Bundes-SPD ändert. Aber Sie sind ja hier, um mich über die Gemeindepolitik in der Gemeinde Süsel zu befragen.

Die Rote Grütt: Ist die SPD auf Gemeindeebene denn eine andere Partei?

Herr Dudy: Die Grundwerte der SPD: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sind für uns natürlich prägend. In der Umsetzung versuchen wir diese in die Sachthemen hier vor Ort einzubringen. Das gelingt uns besser als im Bund.

Die Rote Grütt: Was ist denn in der Gemeinde in den vergangenen Jahren gut gelungen?

Herr Dudy: Wir haben im Glaserfaserausbau einen großen Schritt nach vorne gemacht. Die Stadtwerke Eutin und der Zweckverband Ostholstein haben und werden hier Netze aufbauen, die dafür sorgen, dass auch unsere Dörfer schnelles Internet bekommen. Ehrlicherweise muss man dazu sagen, dass in diesem Punkt alle Parteien in der Gemeindevertretung an einem Strang gezogen haben, aber mit Swantje Meininghaus und Susanne Bötticher-Meyners konnte die SPD Fraktion in diesem Punkt eine hohe Fachlichkeit einbringen. Das hat der Gemeinde Süsel viel geholfen.

Die Rote Grütt: Was lief sonst noch gut?

Herr Dudy: In der Flüchtlingskrise hat die SPD einen kühlen Kopf behalten und immer wieder deutlich gemacht, dass die Anmietung von Wohnraum der richtige Weg für die Flüchtlingsunterbringung ist. Wir haben teure Bauprogramme und den drohende Umbau des Süseler Rathauses in eine Flüchtlingsunterkunft abgewendet. Dieses wurde von den politischen Mitbewerbern ernsthaft erwogen, nachdem Sie einige Zeit zuvor noch – zu einem sehr günstigen Preis – die alte Süseler Schule verkauft haben und hier eine Möglichkeit für die Unterbringung von Flüchtlingen aus der Hand gegeben haben. Wir müssen uns bei der Bewältigung der Integration von Flüchtlingen aber ganz besonders bei der Süseler Bevölkerung bedanken. Ohne deren Einsatz, deren Menschlichkeit und guten Willen hätte man dieses nicht schaffen können.

Die Rote Grütt: Ist denn nun alles eitel Sonnenschein in der Gemeinde Süsel?

Herr Dudy: Wir bemühen uns, über alle Parteigrenzen hinweg, unsere Kinderkrippen, unsere Kindertagesstätten, unser Jugendzentrum, unsere Schule mit Ganztagsbetreuung, unsere Vereine und unsere Feuerwehren zu unterstützen, aber das Geld ist sehr knapp. Hier konnten wir leider nicht das ermöglichen, was wir gerne machen würden. Das tut manches Mal richtig weh. Aber wir haben, in meinen Augen, auch hier solide gearbeitet – und das ist schon eine ganze Menge.

Die Rote Grütt: Die Gemeindeverwaltung haben Sie nicht erwähnt.

Herr Dudy: Wir haben leider keine Gemeindeverwaltung mehr. Wir konnten leider unsere sehr wirtschaftlich und gut arbeitende Gemeindeverwaltung nicht behalten, obwohl die SPD – als einzige Partei in der Gemeindevertretung – bis zuletzt für eine eigenständige Verwaltung gekämpft hat. Wir haben jetzt eine Verwaltungsgemeinschaft und sind hier mit Eutin verbunden. Das ist nicht immer einfach. Wir konnten aber ein Bürgerbüro im Rathaus halten und haben mit Frau Lübker als Leiterin der Stabsstelle Süsel ein großes Plus. Unser ehrenamtlicher Bürgermeister für die Gemeinde Süsel muss hier eine Sisyphusarbeit stemmen, um die Gemeinde Süsel mit der Verwaltung zu vernetzen. Das hat in dieser Legislaturperiode nicht immer gut geklappt – ich hoffe hier auf Besserung.

Die Rote Grütt: Was muss sich sonst noch ändern?

Herr Dudy: Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeit die Gemeindestraßen ausgebessert und saniert. Hier muss die Gemeinde aber dringend vom Land und Bund stärker unterstützt werden. Als Landgemeinde haben wir viele Straßen zu unterhalten und dafür zu wenig Mittel. Was mir große Bauchschmerzen bereitet, sind die Anliegerbeiträge beim Straßenausbau. Hier müssen wir, wenn dieses möglich ist, eine andere Lösung finden.

Die Rote Grütt: Was hat Ihnen in der jetzigen Gemeindevertretung gut gefallen?

Herr Dudy: In der Regel stand die Sacharbeit im Vordergrund und diese wurde über Parteigrenzen hinweg für das Wohl der Gemeinde Süsel geleistet. Persönliche Angriffe unter die Gürtellinie waren die absolute Ausnahme.

Die Rote Grütt: Was war in ihren Augen nicht so schön in der jetzigen Legislaturperiode der Gemeindevertretung Süsel?

Herr Dudy: Zweimal konnte ich bei Personalentscheidungen erleben, dass gegen Personen, die ehrenamtlich tätig sein wollten, abgestimmt wurde, obwohl diese für die Tätigkeit gut qualifiziert waren. Diese Personen waren in den Augen der politischen Mitbewerber unbequem und hatten sich kritisch zur Gemeindepolitik geäußert. Daher sollten sie bei ihrer Bewerbung auf einen Ehrenamt leer ausgehen. Hier wurde die Chance vertan, deutlich zu machen, dass eine kritische Haltung nicht nur als Störung gesehen wird.

Die Rote Grütt: Wie ist die SPD in der Gemeinde Süsel für die Zukunft aufgestellt?

Herr Dudy: Wir konnten wieder Kandidaten finden, die gerne politisch in der Gemeinde tätig werden wollen – sofern der Wähler/in dieses möchte. Wir können bei Themen wie Bau, Finanzen, Feuerwehr, Schule und vielen anderen Themen Fachwissen, Kompetenz und berufliche Erfahrungen in die Ausschüsse und die Gemeindevertretung einbringen. Ganz besonders freut mich, dass wir mit fünf Kandidatinnen und fünf Kandidaten in den Wahlkreisen antreten. Mit sechs Kandidaten aus der jetzigen Gemeindevertretung und vier „neuen“ Kandidaten stimmt auch die Mischung aus Erfahrung und neuen Impulsen. Ich bitte daher mit gutem Gewissen die Wählerinnen und Wähler der Gemeinde Süsel um Ihre Stimme für die SPD Süsel.

Die Rote Grütt: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dudy – noch ein letztes Statement?

Herr Dudy: Ich möchte hier die Gelegenheit nutzen, mich bei allen zu bedanken, die in der Gemeinde Süsel in Parteien, Vereinen, Feuerwehren, Kirche oder an anderer Stelle tätig sind um das Leben bei uns in den Dörfern lebenswert machen. Bitte zeigen Sie weiterhin dieses Engagement: Wir brauchen Sie. Gehen Sie bitte auch zur Gemeindewahl, die Demokratie ist sicher nicht perfekt, aber ohne Demokratie wäre es sicher schlechter.